Narkolepsie ist eine neurologisch bedingte (hirnorganische) Funktionsstörung, die die Bereiche betrifft, die Schlafen und Wachsein steuern. Ursache ist wahrscheinlich das Zusammenspiel einer ererbten Veranlagung mit äußeren Faktoren. Neueste Untersuchungsergebnisse zeigen, dass im Gehirn von vielen Narkolepsie-Patienten weniger Hypocretin (auch bekannt als Orexin) als bei Gesunden vorhanden ist. Bei Hypocretinen (Orexinen) handelt es sich um Botenstoffe des Gehirns. Diese Neurotransmitter (= Überbegriff für biochemische Stoffe, die Informationen von einer Nervenzelle zur anderen weitergeben) spielen bei der Regulation von Schlaf und Wachheit eine entscheidende Rolle. Bei Narkolepsie-Patienten vermutet man, dass eine fehlgesteuerte Immunreaktion die Zellen zerstört, die den Botenstoff Hypocretin produzieren. Ohne Hypocretin kann der Mensch dem normalen Schlaf-Wachrhythmus nicht folgen.
Schlafmediziner unterscheiden zwischen Non-REM-Schlaf und REM-Schlaf. Letzterer ist durch rasche Bewegungen der Augen unter den Lidern gekennzeichnet (Englisch REM = Rapid Eye Movement). Bei der Narkolepsie handelt es sich um eine Störung des Schlaf-Wachrhythmus, bei der sowohl die Regulation des REM-Schlafes als auch des Non-REM-Schlafes betroffen ist. Neben der gestörten Fähigkeit wach zu bleiben, treten Menschen mit Narkolepsie offenbar leichter vom Wachzustand in den REM-Schlaf ein. Viele Symptome der Narkolepsie lassen sich als Auswirkungen von unvollständigem und zu Unzeiten auftretendem REM-Schlaf erklären.
Nach dem heutigen Stand der Forschung ist Narkolepsie eine chronische Krankheit, die zwar nicht heilbar, aber behandelbar ist. Obwohl Narkolepsie das tägliche Leben sehr beeinträchtigt, beeinflusst sie aber in keiner Weise die Lebenserwartung. Die Entdeckung, dass dem Gehirn das Hypocretin fehlt, gibt allerdings Hoffnung, dass vielleicht in Zukunft eine Heilung möglich ist.
Verfasser: Das Autorenteam
Erstellt am: 6.11.2006 letzte Änderung: 8.3.2007