Frühzeitige Diagnose wichtig zur Vermeidung von Verhaltensproblemen
In England haben Wissenschaftler die möglichen Auswirkungen einer Narkolepsie im Kindesalter untersucht [1]. An der Studie haben 42 Kinder zwischen 4 und 18 Jahren mit Narkolepsie teilgenommen. Um Vergleiche ziehen zu können, haben auch gesunde Kinder teilgenommen. Die kranken Kinder hatten große Probleme im Gruppenverhalten und waren teilweise hyperaktiv. Einige von ihnen zeigten auch depressive Neigungen. Generell wiesen die Kinder mit Narkolepsie gehäuft psychosoziale und emotionale Probleme auf. Die Lehrer haben zudem bestätigt, dass die kranken Kinder mehr Probleme in der Schule hätten als die gesunden Mitschüler, also häufiger unter Lese-, Rechtschreib- und Rechenproblemen leiden würden.
Bei einem Drittel der Narkolepsie-Patienten treten die ersten Symptome bereits vor dem 15. Lebensjahr auf. Dennoch wird die Diagnose „Narkolepsie“ bei Kindern und Jugendlichen selten gestellt. Warum? Die typischen Symptome Tagesmüdigkeit, Kataplexien, Schlaflähmung und Halluzinationen erscheinen am Anfang der Erkrankung selten wie im Lehrbuch beschrieben. Außerdem sind Kinder nicht immer dazu in der Lage, Anzeichen wahrzunehmen, zu beschreiben und auszudrücken. Hinzu kommt, dass die Anzeichen auch fehlgedeutet werden können. Müdigkeit kann sich bei kleinen Kindern zum Beispiel auch in Form von Überdrehtheit äußern. Deshalb wird oftmals fälschlicherweise das so genannte Zappelphillipp-Syndrom (ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung) festgestellt. Häufig wird die übermäßige Tagesschläfrigkeit auch einfach als Faulheit oder Lustlosigkeit missverstanden. Besonders in der Schule stellen diese Verhaltensauffälligkeiten ein Problem dar, denn die Lehrer glauben, dass die Kinder unaufmerksam und desinteressiert sind.
Die englische Studie macht deutlich, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Narkolepsie im Kindesalter ist. Nur so kann einer Verfestigung von Verhaltensproblemen und den daraus resultierenden eingeschränkten Bildungschancen entgegengewirkt werden. Häufig schlafende Kinder sollten also genau beobachtet werden. Sollte kein eindeutiger Grund für die Müdigkeit vorliegen (ungesunde Lebensgewohnheiten, Stress), sollte man nicht zögern und sofort einen Arzt konsultieren. Die Narkolepsie ist zwar nicht heilbar, die Symptome können aber mit Medikamenten deutlich reduziert werden. Begleitend ist auch eine nichtmedikamentöse Behandlung, zum Beispiel in Form einer Verhaltenstherapie, sinnvoll.
[1] Gregory Stores et al.: The psychosocial problems of children with narcolepsy and those with excessive daytime sleepiness of uncertain origin. Pediatrics 118 (2006) 1116-1123
Weiterführende Informationen:
Der wichtigste Schritt zur Diagnose ist nach wie vor eine ausführliche Anamnese, das heißt: der Arzt führt mit dem Kind und dessen Eltern ein Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte. Dabei werden zum Beispiel Fragen zum körperlichen und seelischen Zustand gestellt. Der junge Patient erhält meistens auch ein Schlafprotokoll, welches er vor dem Zu-Bett-Gehen und nach dem Aufstehen regelmäßig ausfüllen muss. Das Schlafprotokoll dient der Beurteilung der Schlafqualität. Auf diese Weise kann der Arzt nachvollziehen, in wieweit sich die Schlafsituation und das morgendliche Befinden des Patienten von Tag zu Tag unterscheidet. Ein weiteres diagnostisches Mittel ist der sogenannte Epworth-Test. Hierbei handelt es sich um einen Fragebogen, der nach der Einschlafneigung in bestimmten Situationen wie Lesen, Fernsehen oder Schulunterricht fragt.
Die endgültige Diagnose Narkolepsie wird aber zumeist nach der Untersuchung in einem Schlaflabor gestellt. Dort werden bei den Kindern während des gesamten Nachtschlafs verschiedene Körperfunktionen aufgezeichnet, z.B. die Hirnaktivitätsströme zur Beobachtung der Schlafstadien oder die Augenbewegungen, um die REM-Schlafphasen (Traumschlaf) beurteilen zu können. Auch die Atmung und die Muskelaktivität werden gemessen; währenddessen werden die Patienten die ganze Nacht per Video überwacht. Auf diese Weise können sich die Ärzte ein Bild vom „Schlafzustand“ des jungen Patienten machen und dementsprechend eine Therapie beginnen.
Eine Liste mit Schlaflaboren, die sich auf Kinder spezialisiert haben, finden Sie untenstehend.
Autorin: Manon Pacyna
Erstellt am: 14.07.2008