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Kleines ABC des Energiestoffwechsels

Studie zu Narkolepsie und Übergewicht

 

Übergewicht ist bei Narkolepsie-Patienten weit verbreitet. Eine aktuelle Studie untersucht den Zusammenhang zwischen dem Energiebedarf des Körpers und der Erkrankung.

 

Viele Narkolepsie-Patienten kämpfen mit ihren Pfunden und haben mäßiges bis starkes Übergewicht. Die Ursachen dafür sind nicht eindeutig geklärt. Viele Patienten mit Narkolepsie nehmen gerade dann erheblich zu, wenn die ersten Krankheitssymptome auftreten. Dazu tragen vermutlich Veränderungen im Orexin-System bei, das neben der Wachheit auch den Appetit und die Bewegung steuert. Auch vermehrtes Essen als Mittel gegen die Müdigkeit und die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Antidepressiva) können zu einer Verschärfung der Gewichtsprobleme beitragen. Zudem sind durch die Müdigkeit viele Patienten antriebsschwach und bewegen sich nicht gerne; Bewegungsmangel wiederum begünstigt das Übergewicht.

 

Ist ein veränderter Sollwert schuld am Übergewicht?

 

Privat-Dozent Dr. med. Norbert Dahmen von der Johann-Gutenberg-Universität in Mainz ist Oberarzt der Psychiatrischen Klinik und Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Narkolepsie-Gesellschaft e.V. Gemeinsam mit weiteren Forschern will Dahmen den Ursachen von Essstörungen und Übergewicht von Narkolepsie-Patienten auf den Grund gehen.

Gerade hat er mit seinem Team die Ergebnisse einer Studie zum Grundumsatz bei Narkolepsie-Patienten veröffentlicht. Der Grundumsatz (englisch: Basic Metabolic Rate, abgekürzt: BMR) bezeichnet die Menge an Energie, die unser Körper in völliger Ruhe zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen benötigt. Es gibt viele Einflussfaktoren auf den Grundumsatz, dazu gehören Alter, Geschlecht, Körpergröße und -gewicht. Aber auch die Muskelmasse hat einen wesentlichen Einfluss; der Grundumsatz eines Sportlers ist durch seine größere Muskelmasse deutlich höher als jener eines Nichtsportlers. Anders gesagt: Ein untrainierter Mensch hat einen niedrigeren Grundumsatz und nimmt daher bei gleicher Kalorienzufuhr stärker zu als ein durchtrainierter Sportler.

Um den Gesamtenergieverbrauch (Energy Expenditure oder EE) eines Menschen an einem Tag zu berechnen, wird der BMR üblicherweise mit einem Faktor (Physical Activity Level, PAL) multipliziert, der die körperliche Aktivität eines Menschen berücksichtigt. So hat eine Sekretärin einen niedrigen PAL und damit einen niedrigeren Gesamtumsatz als ein Schwerarbeiter.

 

Bei Narkolepsie verschiebt sich der individuelle BMI-Set-Point

 

Dahmen und seine Mitarbeiter wollten nun wissen, ob ein erniedrigter Grundumsatz bzw. Gesamtenergieverbrauch beim Übergewicht von Narkolepsie-Patienten eine Rolle spielt. Entgegen ihrer Erwartung war weder die BMR noch der EE erniedrigt. Eine Untergruppenanalyse ergab niedrigere BMR bei normalgewichtigen, nicht aber bei übergewichtigen Patienten. Die Wissenschaftler vermuten aber anhand ihrer Ergebnisse, dass sich bei Narkolepsie der individuelle „BMI-Set-Point“ verschiebt, jener BMI-Sollwert, den der Körper ständig zu erhalten bzw. wiederherzustellen versucht. Der BMI ist der sogenannte Body-Mass-Index. Seine Maßeinheit ist kg/m², d.h. der BMI wird berechnet als Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern).

 

Wissenschaftler beenden ihre Publikationen gerne mit folgenden Worten: „Es besteht noch weiterer Forschungsbedarf.“ Das gilt auch in Punkto Übergewicht und Narkolepsie. Zukünftige Erkenntnisse werden darüber hinaus hoffentlich klären, welche Zusammenhänge z.B. zum Typ-2-Diabetes bestehen. Fakt ist derzeit nur: Übergewicht stellt für viele Patienten mit Narkolepsie ein Problem dar. Deswegen müssen sie noch mehr als andere auf eine gesunde Lebensweise mit möglichst viel körperlicher Aktivität und einer besonders ausgewogenen Ernährung achten.

 

Weitere Ratschläge für ein bewusstes Ernährungs- und Bewegungsverhalten finden Sie auch unter www.hellwach-narkolepsie-erkennen.de im News-Archiv, Menüpunkt „Narkolepsie und Übergewicht“.

 

 

Quellen:

Dahmen N et al.: Basal metabolic rate in narcoleptic patients. Sleep. 2009;32(7):962-964.

 

Bild:

© panthermedia.net/ Bettina Glaser

 

 

 

Autorin: Manon Pacyna

 

Erstellt am: 06.01.2010

 

 



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