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DNG-Jahresversammlung 10.-12. Oktober 2008 in Finsterbergen

"Neues aus der Narkolepsie"


Leiden Narkolepsie-Patienten unter Riechstörungen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Hauttemperatur und Narkolepsie? Und hat man tatsächlich ein Narko­lepsie-Gen gefunden? Über die neusten Entwicklungen in der Erforschung der Narko­lepsie berichtete Professor Dr. med. Geert Mayer, Schwalmstadt-Treysa, am Eröff­nungsabend der Jahresversammlung der Deutschen Narkolepsie-Gesellschaft (DNG) e.V. in Finsterbergen, Thüringen.

 

Im Zusammenhang mit dem Botenstoff Hypocretin (auch als Orexin bekannt) gibt es interes­sante Forschungsergebnisse. Bei Narkolepsie-Patienten vermutet man, dass eine fehlge­steuerte Immunreaktion die Zellen zerstört, die Hypocretin produzieren. Hypocretin ist aber nicht nur ein wichtiger Botenstoff für die Schlaf-Wach-Regulation, sondern er ist auch in den Riechkolben lokalisiert. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Narkolepsie-Patienten an Riech­störungen leiden. So hat man in einer Untersuchung 10 Narkolepsie-Patienten ein Spray mit einem Hypocretin-Ersatzstoff durch die Nase verabreicht. Die Hypocretin-Gabe hat tatsächlich zu einer Verbesserung des Riechvermögens bei den Patienten geführt. Sie konnten Ge­rüche besser wahrnehmen und unterscheiden. Das Hypocretin konnte offenbar über die Nasenschleimhaut gut aufgenommen werden. Mayer hofft nun, dass in dieser Richtung weiter geforscht wird und vielleicht ein solches Hypocretin-Spray irgendwann einmal als Medika­ment erhältlich ist. Es bleibt abzuwarten, inwieweit ein solches Spray auch einen Effekt auf die Schlaf-Wach-Regulation haben könnte.

 

Hauttemperatur bei Narkolepsie-Patienten verändert
Weiterhin gibt es eine Studie, die sich mit der veränderten Hauttemperatur bei Narkolepsie-Patienten befasst. Die Körperkerntemperatur, also die Temperatur im Inneren des Menschen, sinkt in der Regel vor dem Einschlafen ab. Dabei steigt die Hauttemperatur der Extremitäten an. Der Grund ist das Minimieren der Stoffwechselfunktion während des Schlafes. Dadurch werden die Hautgefäße erweitert, es fließt mehr Blut durch die Gefäße und Wärme wird an die Umgebung abgeben.

In einer Studie wurden die Unterschiede zwischen der Hauttemperatur der Extremitäten und der Körperkerntemperatur untersucht. Bei Narkoleptikern stellte man fest, dass während des Schlafens die Hauttemperatur der Beine höher ist als bei Gesunden. Die Temperatur wird während der ganzen Zeit des Schlafens beibehalten. Die Hauttemperatur der Arme wird da­bei langsam erhöht. Außerdem gibt es einen Unterschied in der Körperkerntemperatur. Diese beträgt bei Narkolepsie-Patienten 36,47°C, bei Gesunden 36,8°C. Das Temperaturgefälle zwischen Hauttemperatur der Extremitäten und Körperkerntemperatur ist bei Narko­lepsie-Patienten viel höher als bei Gesunden, d.h. es liegt möglichweise eine Temperaturre­gulationsstörung vor, die auf den Hypocretinmangel zurückzuführen ist.

Bei einer weiteren Untersuchung mussten die Narkolepsie-Patienten Feuerwehranzüge an­ziehen, während sie schliefen. Durch die Feuerwehranzüge fließt Wasser hindurch, damit die Feuerwehrleute bei einem Einsatz entsprechend gekühlt werden können. Diesen Mechanismus machte sich das Forscherteam zu nutze und erwärmte bzw. kühlte Arme und Beine der Versuchspersonen. Dabei stellte sich heraus: wenn die Arme erwärmt wurden, wurde die Wachheit unterdrückt und der Tiefschlaf der Patienten gefördert. Wurden die Beine erwärmt, wurde die Wachheit gefördert und der Leichtschlaf nahm zu, die Tiefschlafphasen aber nah­men ab. Professor Mayer schloss daraus, dass man versuchen könnte, durch Auflegen von Kühlelementen oder durch Wärme seinen Schlaf zu beeinflussen.


Narkolepsie-Gen gefunden?

Zum Abschluss seines Vortrages berichtete Mayer von einer japanischen Arbeitsgruppe, der es vor kurzem gelungen ist, ein Gen ausfindig zu machen, das möglicherweise etwas mit der Entstehung der Narkolepsie zu tun hat. In einer Studie mit 222 japanischen Narkolepsie-Pa­tienten hat man 500 Genvarianten untersucht. Schließlich hat man ein Gen gefunden, das möglicherweise die sogenannte Betaoxidation reguliert, und diese wiederum reguliert die Häufigkeit des REM-Schlafes und des Tiefschlafes. Geert Mayer stellte jedoch im selben Atemzug klar: man sollte sich keine Hoffnung machen, dass man DAS entscheidende Nar­kolepsie-Gen jemals findet. Es würden viele Gene ausfindig gemacht, die verschiedenes be­deuten, und diese müsse man zu einen großen Puzzle zusammenfügen.

 

Quelle: Vortrag Professor Dr. Geert Mayer „Neues aus der Narkolepsie“ anlässlich der Jahresversammlung der Deutschen Nar­kolepsie-Gesellschaft (DNG) e.V. in Finsterbergen, 11. Oktober 2008 

Erstellt am: 19.12.2008

 



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