Warum das Abnehmen so schwer fällt
Ludwig M. ist sauer. Sauer auf sich, sauer darauf, dass er immer dicker wird. Seit Jahren schon klettert der Zeiger seiner Waage immer höher. Jetzt, kurz vor dem Urlaub, wiegt der 43-Jährige fast 103 Kilo. Das ist sein Rekord. Ein trauriger Rekord, den sich Ludwig M. lieber erspart hätte. Doch nicht nur das macht dem Familienvater zu schaffen – Ludwig M. leidet, seit er ein kleiner Junge war, unter Narkolepsie. Tagsüber ist er zum Umfallen müde – nachts dagegen schläft er kaum länger als eine Stunde am Stück. Der Gang zum Kühlschrank ist für ihn in dieser Situation dann oft ein kleiner Trost. Leider mit schwerwiegenden Konsequenzen, denn Ludwig M. nimmt immer weiter zu …
Dabei ist Ludwig M. kein Einzelfall: Ungefähr 70 Prozent der Menschen mit Narkolepsie weisen mäßiges bis starkes Übergewicht auf. Sie liegen mit ihrem Body Mass Index (BMI) durchschnittlich vier Punkte über dem der altersentsprechenden Durchschnittsbevölkerung. Das macht bei einem 40-Jährigen erwachsenen Mann etwa 13 Kilo zusätzliches Gewicht aus. Doch die Folgen des Übergewichts treffen Narkolepsie-Patienten härter als Gesunde: Denn bei gleichem BMI weisen Narkolepsie-Patienten ein deutlich höheres Risiko für einen Typ-2-Diabetes auf als Gesunde.
Doppeltes Leid
Viele Narkolepsie-Patienten sind deprimiert, denn sie leiden doppelt. Nicht nur, dass sie gegen die Symptome der Krankheit, wie die extreme Tagesmüdigkeit, den gestörten Nachtschlaf oder die Kataplexien ankämpfen – auch die überflüssigen Pfunde kratzen am ohnehin angeschlagenen Selbstbewusstsein. Doch warum ist das so? Warum nehmen Narkolepsie-Patienten mehr zu als andere und warum ist es für sie schwerer, überflüssiges Gewicht wieder los zu werden? Auf eine mögliche Antwort sind Wissenschaftler gestoßen, als sie bei Narkolepsie-Patienten bestimmte Botenstoffe untersucht haben, die den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen.
Wie Schlaf, Gewicht und Appetit zusammenhängen
Hypocretin ist ein solcher Botenstoff, der im Gehirn gebildet wird. Er spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus. Ohne Hypocretin kann der Mensch dem normalen Schlaf-Wach-Rhythmus nicht folgen. Untersuchungen zeigen, dass 90 Prozent der Narkolepsie-Patienten im Vergleich zu Gesunden deutlich geringere Hypocretin-Spiegel im Blut aufweisen. Ursache hierfür könnte eine fehlgesteuerte Immunreaktion bei Narkolepsie-Patienten sein. Das bedeutet: diejenigen Nervenzellen, die Hypocretin produzieren, werden möglicherweise vom Immunsystem der Narkolepsie-Patienten zerstört. Hypocretin reguliert aber nicht nur Schlafen und Wachen, es nimmt auch Einfluss auf die Regulation des Appetits und des Energieverbrauchs. Zusätzlich zum Hypocretinmangel gibt es bei Narkolepsie-Patienten auch Hinweise für einen Mangel an Leptin. Das ist ein Hormon, das in den Fettzellen des Körpers produziert wird. Es signalisiert dem Gehirn den Bestand an Fettdepots und wirkt appetitdämpfend. Forscher vermuten daher, dass auch der Mangel an Leptin bei Narkolepsie-Patienten eine mögliche Ursache für die Gewichtsprobleme sein kann.
Was kann man selbst tun?
Die wichtigste Botschaft an die Narkolepsie-Patienten lautet: Übergewicht unbedingt vermeiden! Denn es gibt zwar Medikamente gegen die Symptome der Narkolepsie, doch die helfen nicht automatisch auch gegen die Neigung zu Übergewicht, betont Dr. Peter Geisler, Nervenarzt und Leiter des Schlaflabors des Bezirksklinikums in Regensburg: „Es gelten die gleichen Tipps, die man auch gesunden Menschen geben kann. So ist es natürlich leichter, die Entstehung von Übergewicht zu vermeiden als einmal vorhandene Pfunde dauerhaft wieder loszuwerden. Das heißt gesunde, ausgewogene, fettarme Ernährung und ausreichend Bewegung bzw. Sport.“ Dr. Geisler hat noch einen wichtigen Hinweis für die Betroffenen: „Da durch die Erkrankung die Appetitregulation und möglicherweise auch die Nahrungsausnutzung verändert werden, sollte sich der Patient nicht nur auf sein natürliches Hungergefühl verlassen, sondern sein Essverhalten und sein Gewicht stets bewusst kontrollieren.“
Ludwig M. hat – nachdem seine Narkolepsie bei einer Untersuchung im Schlaflabor festgestellt worden war – die Krankheit mittlerweile ganz gut in den Griff bekommen. Geholfen haben Medikamente, die sein Arzt ihm verschrieben hat und viele Gespräche, die er mit Betroffenen aus der Selbsthilfegruppe führen konnte. Als nächstes will er sich um sein Gewichtsproblem kümmern. Bei der Ernährungsberatung, die seine Krankenkasse kostenlos anbietet, hat er sich bereits angemeldet. Und für die regelmäßige Bewegung will sich Ludwig M. Unterstützung aus dem Tierheim holen: Der 2-Jährige Labradormischling Tito hat es ihm angetan – und einen Hund wollte er immer schon haben. Wenn man sich versteht, wird Tito bald einziehen – die Familie ist jedenfalls begeistert …
Wollen Sie wissen, wie Sie selbst mit ein paar Tricks Ihr Übergewicht leichter in den Griff bekommen können? Unter dem folgenden Link haben wir nützliche Tipps für Sie zusammengestellt.
Ratschläge für ein bewusstes Ernährungs- und Bewegungsverhalten:
- Bewusst trinken:
Am Tag sollte man zwischen 1,5 und 2 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Das muss nicht unbedingt Wasser sein. Ungesüßte Früchte- und Kräutertees sind genauso gut. Damit es Ihnen leichter fällt, die empfohlene Menge einzuhalten, versuchen Sie pro Stunde ein Glas (0,2 l) zu trinken! Auf diese Weise kommt auch das Hungergefühl nicht so schnell auf.
- Vollkorn- statt Weißmehlprodukte:
Vollkornprodukte bieten mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe als Weißmehlprodukte. Zudem machen sie besser satt und fördern die Verdauung.
Die Gewöhnung an Vollkornprodukte fällt den meisten Menschen allerdings schwer. Zur Erleichterung können Sie zum Beispiel Vollkornspaghetti zunächst unter weiße Spaghetti unterrühren. Das sieht witzig aus und schmeckt lecker. Und Vollkornbrot muss nicht immer grobkörnig sein. Es gibt auch helle Brotsorten, die aus feingemahlenem ganzen Korn gebacken wurden. Fragen Sie Ihren Bäcker!
- 5 mal Obst und Gemüse am Tag:
Obst und Gemüse liefern lebenswichtige Nähr- und Ballaststoffe und sind kalorienarm. Zahlreiche Studien belegen zudem, dass ein reichlicher Obst- und Gemüseverzehr das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen oder Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems senkt.
Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag sind schneller erreicht, als man glaubt. Essen Sie zu Ihren Frühstücksbroten eine Tomate, ein paar Scheiben Gurke oder eine Paprika, damit haben Sie die erste Portion schon abgedeckt. Zwischendurch zwei Stücke Obst, zum Beispiel eine Banane und einen Apfel, zur Hauptmahlzeit eine Portion gedünstetes Gemüse und schließlich noch ein Glas Fruchtsaft (100 % Fruchtanteil), und Sie haben fünf Portionen geschafft.
- Trockenobst statt Schokolade:
Süßwaren enthalten meistens viel Fett und viel Zucker. Ab und zu ein Stück Schokolade oder ein paar Kekse sind jedoch völlig in Ordnung. Wenn sich die Lust auf Süßes aber zu häufig einstellt, sollten Sie auf Alternativen zurückgreifen, zum Beispiel Trockenobst. Getrocknete Pflaumen oder Aprikosen sind lecker süß, haben aber nur halb so viele Kalorien wie Schokolade (Pflaumen: 250 kcal/100 g; Vollmilchschokolade: 515 kcal/100 g), und die Auswahl im Supermarkt ist sehr vielseitig.
- Überflüssige Fettfallen meiden:
Greifen Sie bei Milchprodukten zu den fettreduzierten Angeboten, also zum Beispiel Milch mit 1,5 % Fett. Auch Sahnejoghurt und -quark sollten besser im Kühlregal stehen bleiben.
Wenn Sie beim Kochen nicht auf cremige Soßen oder Suppen verzichten wollen, ersetzen Sie die Sahne zur Hälfte durch Milch.
Aber nicht nur Milchprodukte enthalten häufig überflüssiges Fett: wer gerne mal Pommes oder ähnliche frittierte Kartoffelprodukte isst, kann als Alternative auch kleine ungekochte Kartoffeln mit einer Marinade aus Olivenöl, frischen Kräutern und etwas Salz beträufeln und im Backofen garen.
- Kennzeichnung auf Verpackungen genau anschauen:
Bezeichnungen wie „fettarm“ oder „zuckerreduziert“ auf Lebensmittelverpackungen hören sich gut an, können aber irreführend sein. So war bisher nicht eindeutig definiert, welche Mengenangaben sich hinter „-arm“ oder „-reduziert“ verbergen. Doch seit dem 1. Juli 2007 regelt die Health-Claims-Verordnung für nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen, was künftig auf den Verpackungen stehen darf. Sie soll dem Verbraucher mehr Klarheit verschaffen. Für die Aussagen „energiereduziert“, „fettfrei“ oder „light“ gilt zum Beispiel:
 | Produkte mit dem Hinweis „energiereduziert“ müssen mindestens 30 % weniger Energie enthalten als vergleichbare Lebensmittel.
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 | Der Angabe „light“ bzw. „leicht“ kommt dieselbe Bedeutung zu wie „reduziert“, d.h. mindestens 30 % weniger Energie- oder Nährstoffgehalt.
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 | Die Angabe „fettfrei“/„ohne Fett“ ist nur zulässig, wenn das Produkt nicht mehr als 0,5 % Fett pro 100 g oder 100 ml enthält. Angaben wie z.B. 100 % fettfrei sind verboten. |
Nähere Informationen finden Sie unter www.health-claims-verordnung.de
- Zeit zum Essen nehmen:
Heutzutage muss immer alles schnell gehen. Trotzdem, nehmen Sie sich Zeit zum Essen! Wer in Hektik oder zwischendurch schnell isst, nimmt unweigerlich mehr zu sich, als der Körper eigentlich braucht. Das Sättigungsgefühl stellt sich nämlich erst nach ein paar Minuten ein.
- In Bewegung bleiben:
Zu müde, zu erschöpft, keine Lust. Diese Ausreden gelten nicht mehr. Schon kleine Umstellungen im Alltag helfen Ihnen, in Bewegung zu bleiben:
 | Treppen steigen, statt Aufzug fahren
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 | Fahrrad fahren oder zu Fuß laufen, statt Auto fahren
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 | regelmäßige Spaziergänge, z.B. nach dem Abendessen |
Zusätzlich sollten Sie sich auch über die Angebote Ihrer Krankenkasse informieren:
Viele Krankenkassen bieten Ernährungsberatungen an, die auch bezuschusst werden. Einige Kassen, z.B. die AOK, bieten auch eine kostenlose Ernährungsberatung an – vorausgesetzt, man bleibt bis zum Ende eines Kurses dabei. Außerdem werden verschiedene Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten innerhalb einer Gruppe angeboten. Hier ist für jeden Typ und jede Region etwas dabei.
Weiterhin sollten Betroffene für regelmäßige Gewichtskontrollen und für weitere individuelle Ratschläge ihren behandelnden Arzt um Unterstützung bitten.
Die Ratschläge für bewusstes Ernährungs- und Bewegungsverhalten wurden auf der Basis der 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für vollwertiges Essen und Trinken zusammengestellt (Quelle: www.dge.de).
Autorin: Manon Pacyna, Dipl.-Oecotroph.
Erstellt am: 29.08.2007