Sollten Sie den Verdacht haben, an Narkolepsie erkrankt zu sein, scheuen Sie sich nicht davor, einen Arzt aufzusuchen. Mittlerweile gibt es wirksame Medikamente, die helfen, Tagesschläfrigkeit, Kataplexien, Halluzinationen und Störungen des Nachtschlafs zu behandeln. Der Arzt wird in enger Zusammenarbeit mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan erstellen.
Hier erhalten Sie einen Überblick der momentan zur Verfügung stehenden Medikamente:
Mittel zur Behandlung der Tagesschläfrigkeit: Stimulanzien
Zur Behandlung der Tagesschläfrigkeit werden so genannte Stimulanzien (wachheitsfördernde Mittel) eingesetzt. In Deutschland sind derzeit zwei Wirkstoffe (Methylphenidat, Modafinil) zur Behandlung der Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie zugelassen. Einige Medikamente können lediglich aus dem Ausland importiert werden, weil sie in Deutschland nicht zugelassen sind. Der Arzt darf sie nach Absprache mit dem Patienten nur "Off-Label", das heißt außerhalb des zugelassenen Indikationsbereiches verordnen. Medikamente, die Off-Label sind, können grundsätzlich nur auf Privatrezept verordnet werden. Die Patienten müssen die Kosten in der Regel selbst tragen.
Mittel zur Behandlung der Kataplexien: Antikataplektika
Grundsätzlich sind gegen Kataplexien, schlafbezogene Halluzinationen und Schlaflähmungen alle Substanzen wirksam, die den REM-Schlaf unterdrücken. Es handelt sich hierbei um Medikamente, die ursprünglich zum Einsatz gegen Depressionen (Antidepressiva) entwickelt wurden. Bislang ist nur Clomipramin für die Behandlung von Narkolepsie zugelassen.
Das Natriumsalz der Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB, Natriumoxybat) wurde 2005 zur Behandlung von Narkolepsie mit Kataplexien zugelassen. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Natriumoxybat nicht nur die Häufigkeit von Kataplexien vermindert, sondern auch die Tagesschläfrigkeit reduziert und den Nachtschlaf verbessert.
Mittel zur Behandlung des gestörten Nachtschlafs: Hypnotika
Ein häufiges und quälendes Symptom der Narkolepsie sind Durchschlafstörungen. Zur Behandlung des gestörten Nachtschlafs werden oftmals Schlafmittel, so genannte Hypnotika (z.B. Zolpidem, Zopiclon), eingesetzt. Das sind Stoffe, die den Schlafvorgang fördern oder einleiten. Aufgrund jüngster Studienergebnisse ist auch Natriumoxybat als Hypnotikum geeignet, den gestörten (fragmentierten) Nachtschlaf zu normalisieren bzw. zu verbessern.
Perspektiven für neue Behandlungsformen:
Die gegenwärtigen Bemühungen, neue Behandlungsformen zur Therapie der Narkolepsie zu entwickeln, konzentrieren sich auf drei Bereiche.
Veränderung der Aktivität des Immunsystems: Immunmodulation
Nach derzeitigem Forschungsstand ist der Untergang der Hypo- cretin-/Orexin-produzierenden Nervenzellen im Zwischenhirn ein zentraler Grund für das Auftreten der Narkolepsie. Die Ursache für diesen Zelluntergang ist bislang unbekannt. Vermutet wird, dass das körpereigene Immunsystem diese Nervenzellen angreift und zerstört. Man hat daher versucht, die Narkolepsie durch eine Veränderung der Aktivität des Immunsystems zu therapieren. Durch die Gabe von Immunglobulinen (hochkonzentrierte Antikörper) konnten Dauer und Schwere von Kataplexien bei drei Patienten vermindert werden. Unklar ist bislang der Wirkungsmechanismus und ob diese Therapie wirklich spezifisch den Untergang von Orexin-produzierenden Zellen bremsen kann.
Medikamente, die in das Hypocretin-/Orexin-System eingreifen
Orexine wirken über spezifische Rezeptoren (Bindungsstellen); im Gegensatz zu den Orexin-produzierenden Zellen sind diese bei Narkolepsie-Patienten intakt. Therapeutisch sehr viel versprechend erscheint deshalb die Möglichkeit, Arzneimittel zu entwickeln, welche die Rezeptoren (Orexin-1- und Orexin-2-Rezeptoren) stimulieren. In Tierversuchen werden künstliche Substanzen untersucht, die an Orexin-Rezeptoren binden und eine vermehrte Wachheit erzeugen. Diese Substanzen dürfen bislang noch nicht am Patienten erprobt werden.
Neue "klassische" Stimulanzien und Antidepressiva
Klinisch geprüft wird derzeit eine Substanz, die eine Weiterentwicklung von Modafinil ist. Ob diese Substanz in Bezug auf ihre Wirksamkeit und Nebenwirkungen einen Fortschritt darstellt, ist noch nicht geklärt. Für die neueren Antidepressiva, die erst seit kurzem verfügbar sind, liegen noch keine Erfahrungswerte über die Wirksamkeit bei Kataplexien vor. Ein Grund dafür ist, dass kaum ein Hersteller diese Medikamente systematisch auf ihre Wirksamkeit bei Narkolepsie untersucht.
Eine weitere Substanz ist das Tramadol. Hier wurde eine Wirksamkeit bei Narkolepsie in Einzelfällen beschrieben.
Verfasser: Das Autorenteam
Erstellt am: 6.11.2006